– wie sehr schützt der Sichere Hafen geflüchtete Menschen?
Bericht zur Lesung und Diskussion mit Dr. Volker M. Heins
Im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit der Buchhandlung Edelmann fand eine Lesung und Diskussion mit dem Sozialwissenschaftler Dr. Volker M. Heins zu seinem Buch „Sichere Häfen – Städte der Zuflucht“ statt. Die Veranstaltung knüpfte an die Entscheidung der Stadt Fürth an, sich bereits 2019 zum „Sicheren Hafen“ zu erklären und damit die Bereitschaft zu bekunden, geflüchtete Menschen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus aufzunehmen sowie ihnen Wohnraum und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Zu Beginn seines Vortrags berichtete Dr. Heins von seinen Forschungserfahrungen in Chicago, wo er im Jahr 2025 mehrere Monate gelebt hatte. Anhand der dortigen Praxis der Nachbarschaftshilfe und gegenseitigen Alarmierung bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE zeigte er auf, wie zivilgesellschaftliche Solidarität zum Schutz von Migrantinnen und Migranten organisiert werden kann.
Im weiteren Verlauf stellte er Beispiele solidarischer Städte in Europa vor. Besonders ausführlich ging er auf das Zürcher Modell einer „Züri-Card“ ein, die allen Personen, die seit mindestens sechs Monaten in der Stadt leben, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, als Ausweisdokument dienen soll. Dr. Heins betonte, dass ein solches Modell nur dann erfolgreich sein könne, wenn es von der gesamten Stadtgesellschaft genutzt werde und nicht ausschließlich von Migrantinnen und Migranten, um eine Stigmatisierung zu vermeiden. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Unterstützung für dieses Konzept innerhalb der Stadt deutlich höher ausfällt als im Umland.
Anschließend las Dr. Heins aus dem Kapitel über Bremen, das von vielen Migrantinnen und Migranten als „arm, aber freundlich“ beschrieben wird. Dort existiert eine sogenannte Clearingstelle, die anonym prüft, ob Menschen ohne gültige Papiere Möglichkeiten für einen legalen Aufenthalt eröffnet werden können. Zudem wurde das Berliner Modell anonymer Krankenscheine für Menschen ohne Aufenthaltsrecht vorgestellt. Diese Beispiele verdeutlichten unterschiedliche kommunale Ansätze, um humanitäre Unterstützung unabhängig vom Aufenthaltsstatus zu ermöglichen.
Die vorgestellten Konzepte wurden als Gegenentwurf zu einer Politik der Abschottung verstanden und regten zugleich zur Auseinandersetzung mit der Frage an, inwieweit Fürth seinem eigenen Anspruch als Sicherer Hafen gerecht wird. Die anschließende Fragerunde entwickelte sich zu einer lebhaften und konstruktiven Diskussion zwischen Referent und Publikum.
Die Veranstaltung übertraf die Erwartungen deutlich. Statt der geplanten 20 Personen nahmen insgesamt 36 Besucherinnen und Besucher teil. Besonders erfreulich war, dass auch Menschen erreicht wurden, die bislang nicht zum üblichen Publikum der Seebrücke gehörten. Die offene und informelle Art der Präsentation sowie die Aktualität des Themas stießen auf sehr positive Resonanz. Viele Teilnehmende nutzten im Anschluss die Gelegenheit, das Buch von Dr. Heins zu erwerben.
Die organisatorische Umsetzung verlief dank der engen und hervorragenden Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Edelmann reibungslos. Die Veranstaltung konnte wie geplant und in enger Abstimmung mit dem Referenten sowie dem Kooperationspartner durchgeführt werden und stellte sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich der Besucherresonanz einen vollen Erfolg dar.







